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Aschewolken aus Island: Wie gefährlich ist die Vulkanasche für Flugzeuge wirklich und warum legt ein Vulkanausbruch auf Island den Luftverkehr in Europa lahm?

April 20th, 2010 von Holger Dewitz ·

Das Hauptproblem: für Vulkanasche in der Luft existiert überhaupt kein Grenzwert. Während es für Radioaktivität in der Luft, Blei im Salat und Alkohol am Steuer festgelegte Grenzwerte gibt, ist vulkanische Asche in der Luft schon in geringer Konzentration Auslöser für ein totales Flugverbot.

Es ist also gleich, ob viel oder wenig Asche der Atmosphäre gemessen wird, entscheidend ist das ob. Sobald das Internationale Luftraum-Vulkanüberwachungssystem der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) Vulkanasche in der Luft misst, empfiehlt die ICAO das Festlegen sogenannter No-Fly-Zonen, also der großräumigen Sperrung der betroffenen Lufträume und Flugstrecken für den zivilen Luftverkehr. Grund ist die besondere Gefährdung von Düsenflugzeugen: saugen die Jets Vulkanasche in die Turbinen, kann diese sich ansammeln, verdichten und in einer Schmelze aus vulkanischem Glas erstarren – was zum Absturz des Flugzeugs führen kann. Der feine Staub vom Ausbruch des Vulkans Eyafallajoekull auf Island, der sich jetzt über Nordeuropa absetzt, bedeutet zusätzliche Gefahr. Da der Staub extrem feinkörnig ist, kann der Staub in kleinste Ritzen und Löcher eindringen. Da der Schmelzpunkt niedriger liegt, als die Betriebstemperatur der Turbinen, kann der vulkanische Staub die Luftkühlungen der Jetmotoren verstopfen, schmelzen und damit die Kühlung der Triebwerke stören.  Die Folge eines Ausfalls der Triebwerkskühlung: Das Metall der Turbinen schmilzt und damit schmelzen die Triebwerke – das Flugzeug stürzt ab.

Die Gefahr ist nicht nur theoretisch, Kampfflugzeuge der finnischen Luftwaffe wurden bei Flügen vor der Sperrung des Luftraums durch genau diese Reaktion vom feinen Staub der Vulkanexplosion beschädigt.

Das Festlegen von No-Fly-Zonen entspricht also durchaus einer langen und bewährten Praxis zur Vermeidung von Flugzeugabstürzen.

Diese Regelung zur Erhöhung der Reisesicherheit für Flugpassagiere wurde von der ICAO auch seit mehr als zwei Jahrzehnten angewendet, allerdings ist das Ausmaß der jetzigen Flugverbotszone neu. Die Zero-Tolerance-Regel der ICAO ohne Grenzwerte wird nun von Politik und Fluggesellschaften wie der deutschen Lufthansa und Air Berlin heftig angegriffen. Immerhin ist das Flugverbot nicht nur für Reisende ärgerlich, sondern kostet auch die Fluggesellschaften und die Wirtschaft insgesamt Milliarden. Es ist daher wahrscheinlich, das die ICAO infolge des Drucks neben einer verbesserten Messung in Zukunft auch über die Abkehr von der Null-Toleranz-Regel zu Gunsten einer Festlegung von Grenzwerten für Vulkanasche in höheren Luftschichten nachdenkt.

Kategorie:Europa · Naturkatastrophen & Katastrophenschutz Ausland · Sicher reisen
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